Der Pflegeberuf im Wandel

 

 

Ein Sturz oder eine Erkrankung bedeutet für alte Menschen oft das Ende des selbstbestimmten Lebens und den Beginn der Pflegebedürftigkeit. Viele alte Menschen, die zum Pflegefall werden, sind dann von einem Tag auf den anderen auf fremde Hilfe angewiesen. Einfachste Verrichtungen werden zum Problem.

Fachkräfte in der Pflege werden gebraucht

Steigt die Zahl der Pflegebedürftigen an, so werden auch mehr Pflegekräfte gebraucht.

Deshalb ist es wichtig, das Ansehen und die Wertschätzung für den Pflegeberuf zu erhöhen. Gerade junge Menschen machen ihre Entscheidung, in den Pflegeberuf zu gehen, von mehreren Faktoren abhängig: Wie sind die Ausbildungsbedingungen? Wie gestaltet sich die Arbeitszeit? Wie sind die Chancen auf Vereinbarkeit von Beruf und Familie und wie ist die berufliche Perspektive?

"Eine zukunftsgerechte Berufsausbildung ist grundlegende Voraussetzung für ein attraktives Beschäftigungsfeld. Die Bundesregierung strebt deshalb die Weiterentwicklung der Pflegeberufe an. Dabei geht es nicht um die Abschaffung des einen oder anderen Berufs, sondern um eine moderne und konsequente Weiterentwicklung des gesamten Berufsfeldes Pflege", sagt Annette Widmann-Mauz, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit.

Neuer Pflegeberuf wird erarbeitet

Geplant ist, die Ausbildungen in der Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege sowie Kinderkrankenpflege zu einem Beruf zusammenzuführen. Derzeit basieren die drei Ausbildungsberufe auf unterschiedlichen gesetzlichen Regelungen. Gemeinsam ist für alle eine dreijährige Berufsausbildung mit 2.100 Stunden Theorie und 2.500 Stunden praktischer Ausbildung.

Eine extra Ausbildung für Kinder-, Erwachsenen- und Altenpflege gibt es nur in Deutschland. Deutsche Kinderkranken- und Altenpfleger haben in anderen Ländern sogar große Schwierigkeiten, anerkannt zu werden. Auch hier liegt ein wichtiger Grund für den neuen Beruf. 

Zur Zeit werden auf europäischer Ebene die Richtlinien für Berufsanerkennung überarbeitet.

Deutschland hat gute Erfahrungen damit gemacht, auch einen mittleren Schulabschluss als Voraussetzung für die Pflegeausbildung zuzulassen. Die Bundesregierung wird sich dafür einsetzen, dass dies in Europa anerkannt bleibt.

200 Stunden Ausbildung für Pflegehelfer

Neben der dreijährigen Berufsausbildung gibt es Pflegehelfer mit einer Kurzzeitausbildung. Seit 2004 ist die Dauer der Ausbildung nicht mehr in einem Bundesgesetz festgelegt. In jedem Bundesland ist das anders. Das vereinfacht die Situation nicht gerade.

Üblich sind 200 Stunden Ausbildung in Theorie und Praxis. Einzelne Arbeitgeber haben die erforderlichen Ausbildungsstunden aufgestockt. Zum Beispiel bietet das Krankenhaus Waldfriede in Berlin eine erweiterte Basis-Qualifikation an. Sie beträgt vier Monate und ist mit den ersten vier Monaten der dreijährigen Ausbildung identisch.

"Wir streben an, dass derjenige der nach den vier Monaten noch weiter machen will, das tun kann. Er könnte entweder weiter an der dreijährigen Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger teilnehmen. Oder er erhält das Zertifikat und ist Pflegehelfer. Wir wollen unsere Ausbildung durchlässig und mit verschiedenen Ausbildungsmodulen gestalten. Wer nach der Ausbildung noch studieren will, sollte auch das mit entsprechender Berufserfahrung tun können. Für Abiturienten bieten wir jetzt schon ein duales Studium an. Es dauert 9 Semester und beinhaltet die Berufsausbildung und dann noch 1,5 Jahre bis zum Bachelor-Abschluss", erläutert Bibiane Niemann, Ausbildungsleiterin der Akademie Waldfriede.

Die Tätigkeitsfelder für Pflegehelfer sind ganz unterschiedlich. Sicher wäre es den meisten Arbeitgebern am liebsten, wenn sie nur examinierte Pflegekräfte mit einer dreijährigen Ausbildung hätten, aber wer soll das bezahlen und wo her nehmen? Also gibt es einen Mix unterschiedlicher Qualifikationen für unterschiedliche Tätigkeiten. Das Essen kann zum Beispiel der Pflegehelfer austeilen.

Ausländische Fachkräfte sind willkommen

Viele Deutsche und Zugewanderte haben in anderen Ländern gute berufliche Qualifikationen und Abschlüsse erworben., Sie werden auf dem deutschen Arbeitsmarkt dringend gebraucht. Seit dem 1. April 2012 werden ausländische Bildungsabschlüsse anerkannt. Zuständige Stellen prüfen die Gleichwertigkeit der im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen anhand deutscher Referenzberufe. Damit kann das hohe Niveau der deutschen Abschlüsse gehalten werden.

Neben der beruflichen Qualifikation ist das Sprechen ganz wichtig. Außerdem muss die Frage geklärt werden, ob sich der Bewerber mit dem deutschen Pflege-Berufsbild identifizieren kann. In anderen Ländern wird zum Beispiel die Körperpflege von Angehörigen übernommen und Fachkräfte haben andere, eher medizinische Aufgaben. Das alles muss im Einzelfall geprüft werden, am besten durch ein Praktikum.

Am Arbeitsplatz gesund bleiben

Ergebnisse einer internationalen Studie (Next-Studie) belegen, dass Pflegefachkräfte bis zum 40. Lebensjahr in Deutschland häufiger ihren Beruf verlassen als in anderen Ländern. Begründet wird das mit dem prozentual hohen Frauenanteil und den veränderten Arbeitsbedingungen. Anhand von statistischen Daten lässt sich belegen, dass für Frauen persönliche und familiäre Gründe wie Schwangerschaft, Kindererziehung und Probleme mit der eigenen Gesundheit das Hauptmotiv für das Verlassen des Pflegeberufes sind.

Durchschnittlich bleiben gelernte Pflegekräfte nur acht Jahre im Beruf. Der Job ist anstrengend. Selbst jüngere Pflegekräfte schrecken oft davor zurück, nach der Elternzeit wieder in den Beruf einzusteigen. Bis zur Rente arbeiten die wenigsten in diesem Beruf.

Anlässlich des Internationalen Tags der Pflegenden am 12. Mai wies Brigitte Döcker, Vorstandsmitglied der Arbeiterwohlfahrt auf die Notwendigkeit einer familienfreundlicheren Arbeitsplatzgestaltung im Pflegebereich hin. "Angesichts des enormen Fachkräftemangels müssen alle Rahmenbedingungen stimmen, damit die Menschen diesen Beruf wählen und in der Tätigkeit bleiben!"

Maßnahmen zur betriebliche Gesundheitsprävention gibt es noch zu wenig. Es gibt gute Modellprojekte, aber keine gesetzlichen Standards. Das gilt auch für Pflegehilfsmittel am Arbeitsplatz, zum Beispiel Hilfen zum Heben von Patienten. Einige, vor allem größere Arbeitgeber, bieten ihren Mitarbeitern verschiedene Gesundheits- und Rückenschulkurse an oder haben ein Wiedereingliederungsverfahren nach längerer Krankheit. Im Krankenhaus Waldfriede in Berlin können Mitarbeiter im angeschlossenen Gesundheitszentrum für nur drei Euro Kurse besuchen.

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